Riester und Altersvorsorgedepot: wechseln, behalten oder beides?
Stand: 28. September 2026
Kurz gesagt
Dein Riester-Vertrag läuft ab 2027 mit Bestandsschutz einfach weiter. Du kannst ihn aber auch ins neue Fördersystem wechseln oder das Guthaben in ein Altersvorsorgedepot übertragen, ohne die bisherige Förderung zurückzahlen zu müssen. Kündigen ist fast immer die schlechteste Wahl, weil dann Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden müssen.
Wo stehst du? Stufe 4: Altersvorsorge
Millionen Menschen in Deutschland haben einen Riester-Vertrag. Mit dem Start des Altersvorsorgedepots am 1. Januar 2027 stellt sich für sie eine Frage: Was passiert mit meinem Vertrag, und sollte ich etwas ändern? Die gute Nachricht zuerst. Du musst nichts tun. Aber es lohnt sich, die Optionen zu kennen.
Deine vier Möglichkeiten
| Option | Was passiert | Förderung | Worauf achten |
|---|---|---|---|
| Weiterführen | Der Vertrag läuft wie bisher | alte Riester-Förderung | Kosten und Rendite des Vertrags |
| Förderung wechseln | Gleicher Vertrag, neue Fördersystematik | neue Zulagen | ob der Anbieter das anbietet |
| Übertragen | Guthaben wandert in ein Altersvorsorgedepot | neue Zulagen, alte Förderung bleibt | Wechsel-, Abschluss- und Vertriebskosten |
| Kündigen | Guthaben wird ausgezahlt | Zulagen und Steuervorteile müssen zurück | fast immer die teuerste Lösung |
Daneben gibt es eine fünfte, oft übersehene Variante: Du stellst deinen Riester-Vertrag beitragsfrei und zahlst ab 2027 neu in ein Altersvorsorgedepot ein. Das bisher Angesparte bleibt dann im alten Vertrag und behält seine Förderung.
Was sich bei der Förderung ändert
Bei Riester gab es eine feste Grundzulage von 175 Euro im Jahr, die volle Zulage aber nur, wenn du mindestens 4 Prozent deines Vorjahresbruttos einzahlst, abzüglich der Zulagen. Wer weniger einzahlte, bekam die Zulage nur anteilig.
Im Altersvorsorgedepot gibt es für jeden eingezahlten Euro eine Zulage: 50 Prozent auf die ersten 360 Euro im Jahr, 25 Prozent auf weitere Beiträge bis 1.800 Euro. Dazu bis zu 300 Euro Kinderzulage pro Kind. Die Förderung hängt also nicht mehr an deinem Einkommen, sondern an deinem Beitrag. Wie viel das bei dir ist, zeigt der Altersvorsorgedepot-Rechner.
Der zweite große Unterschied: Im AVD musst du keine Garantie mehr kaufen. Viele Riester-Verträge garantieren die Einzahlungen und legen deshalb einen großen Teil des Geldes sehr vorsichtig an. Über Jahrzehnte kostet das Rendite.
Wann sich ein Wechsel eher lohnt
- Dein Vertrag ist teuer. Laufende Kosten von deutlich über 1 Prozent im Jahr fressen über lange Zeit einen großen Teil der Rendite. Die Kosten findest du im Produktinformationsblatt oder in der jährlichen Standmitteilung.
- Du hast noch viele Jahre bis zur Rente. Je länger die Anlagezeit, desto mehr zählt die höhere Renditechance ohne Garantie.
- Du zahlst wenig ein. Mit kleinen Beiträgen bekommst du im AVD eine höhere Förderquote als bei Riester.
Wann du ihn eher behalten solltest
- Die Rente ist nicht mehr weit. Dann bleibt wenig Zeit, um Wechselkosten wieder hereinzuholen.
- Dein Vertrag ist günstig und gut angelegt. Nicht jeder Riester-Vertrag ist schlecht. Ein kostengünstiger Fondssparplan kann weiterlaufen.
- Die Abschlusskosten sind noch nicht bezahlt. Bei jüngeren Verträgen werden sie oft über die ersten Jahre verteilt. Bei einem Wechsel können neue Kosten dazukommen.
Beides gleichzeitig
Du darfst deinen Riester-Vertrag behalten und zusätzlich ein Altersvorsorgedepot eröffnen. Die Förderung verdoppelt sich dadurch aber nicht: Gefördert werden insgesamt höchstens 1.800 Euro Eigenbeitrag im Jahr. Wer beides hat, sollte deshalb bewusst entscheiden, wohin die geförderten Beiträge fließen.
So sieht es die Livito-Methode
Nicht kündigen, sondern prüfen. Schau dir die Kosten deines Riester-Vertrags an, und entscheide dann in Ruhe, ob du ihn weiterführst, beitragsfrei stellst oder überträgst. In der Livito-Methode ist das geförderte Depot einer von drei Bausteinen der Altersvorsorge mit 4 Prozent deines Nettoeinkommens. Ob dieser Baustein ein alter Riester-Vertrag oder ein neues AVD ist, ist zweitrangig. Wichtig ist, dass er günstig ist und läuft.
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Wenn du über einen Wechsel nachdenkst, ist der Anbieter die wichtigste Entscheidung. Worauf du dabei achten solltest, liest du hier.
Altersvorsorgedepot-Anbieter: worauf du achten solltestHäufige Fragen
Quellen
- Bundesministerium der Finanzen: FAQ zur Reform der geförderten privaten Altersvorsorge, Stand Mai 2026
- Einkommensteuergesetz, §§ 79 bis 99 (Altersvorsorgezulage)
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Mehr zu Altersvorsorge
- Altersvorsorgedepot 2027: Förderung, Regeln und für wen es sich lohntDas Altersvorsorgedepot (AVD) startet am 1. Januar 2027 und löst die Riester-Rente ab. Der Staat legt auf die ersten 360 Euro im Jahr 50 Prozent obendrauf, auf weitere Beiträge bis 1.800 Euro 25 Prozent, dazu bis zu 300 Euro pro Kind. Besonders lohnt es sich bei kleinen Beiträgen, für Familien und erstmals auch für Selbstständige.
- Altersvorsorgedepot-Rechner: so viel Förderung bekommst duMit dem Rechner siehst du in wenigen Sekunden, wie viel staatliche Zulage du im Altersvorsorgedepot bekommst. Die höchste Förderquote gibt es bei kleinen Beiträgen: Auf 30 Euro im Monat legt der Staat 50 Prozent drauf. Mit Kindern kann sich dein Beitrag sogar fast verdoppeln.
- Altersvorsorgedepot-Anbieter: worauf du achten solltestDen besten Anbieter für alle gibt es nicht, aber klare Kriterien. Am wichtigsten sind die Kosten: Im Idealfall zahlst du für Depot und Fonds nichts oder nicht mehr als 0,3 Prozent im Jahr. Dazu kommen die passende Variante, breite und günstige ETFs, ein automatischer Zulagenantrag und ein Wechsel ohne hohe Gebühren.