Altersvorsorge mit System: die 12-Prozent-Regel
Stand: 28. September 2026
Kurz gesagt
Lege 12 Prozent deines Nettoeinkommens für den Ruhestand zurück und teile sie nach der 4/4/4-Regel auf: je 4 Prozent in die betriebliche Altersvorsorge, ins neue Altersvorsorgedepot und in freie ETFs. Bei 1.958 Euro netto sind das rund 235 Euro im Monat, aus denen im Modell nach 30 Jahren rund 223.000 Euro werden können.
Wo stehst du? Stufe 4: Altersvorsorge
Altersvorsorge ist das Thema, bei dem fast alle wissen, dass sie etwas tun sollten, und die wenigsten wissen, womit sie anfangen. Und wann der richtige Zeitpunkt ist, sagt einem auch niemand. Die Antwort ist einfach: Je früher desto besser, also wenn es noch keine Altersvorsorge gibt, dann starte jetzt. Laut Altersvorsorge-Report 2025 von Deutscher Bank und DWS legt fast jede:r Dritte in Deutschland gar nichts für den Ruhestand zurück, obwohl über 80 Prozent der gesetzlichen Rente allein nicht zutrauen, im Alter zu reichen. Selten fehlt der Wille. Meistens fehlt ein einfacher Plan: so viel, dorthin, ab jetzt.
Die Livito-Methode macht daraus eine einzige Regel: 12 Prozent deines Nettoeinkommens, verteilt auf drei Töpfe.
Bevor du startest
Langfristig investiertes Geld braucht einen Puffer davor. Wer ohne Rücklage investiert, muss bei der nächsten großen Reparatur oder einem Jobverlust womöglich Anteile verkaufen, oft genau dann, wenn die Börse schwach ist. Die Livito-Methode setzt deshalb vor die Altersvorsorge einen Puffer von mindestens vier Monatsausgaben.
Die 12-Prozent-Regel
Mindestens 12 Prozent deines Nettoeinkommens bilden dein Altersvorsorgebudget. Steigt dein Einkommen, rechnest du die 12 Prozent neu und passt die Sparraten an. Mehr musst du nicht entscheiden.
| Netto im Monat | 12 Prozent im Monat | Je Topf (4/4/4) |
|---|---|---|
| 1.500 € | 180 € | 60 € |
| 1.958 € | 235 € | rund 78 € |
| 2.500 € | 300 € | 100 € |
1.958 Euro ist das mittlere Nettoeinkommen eines Einpersonenhaushalts in Deutschland laut Destatis (EU-SILC 2025).
Die 4/4/4-Regel: drei Töpfe mit drei Aufgaben
Die 12 Prozent werden gedrittelt. In allen drei Töpfen können ähnliche Aktienfonds liegen, der Unterschied liegt darin, wer mit einzahlt und wie flexibel das Geld bleibt.
| Topf | Anteil | Wer zahlt mit? | Bei 78 € Eigenleistung |
|---|---|---|---|
| Betriebliche Altersvorsorge (bAV) | 4 % | dein Arbeitgeber | 89,70 € im Monat |
| Altersvorsorgedepot (AVD), ab 2027 | 4 % | der Staat | 105 € im Monat |
| Freie ETFs | 4 % | niemand, dafür flexibel | 78 € im Monat |
Selbstständig oder freiberuflich? Ohne bAV teilst du die 12 Prozent auf je 6 Prozent AVD und freie ETFs.
Baustein 1: die betriebliche Altersvorsorge
Dein Arbeitgeber legt gesetzlich mindestens 15 Prozent auf deinen Beitrag obendrauf, soweit er durch die Entgeltumwandlung Sozialabgaben spart. Das Geld ist bis zur Rente gebunden. Worauf du vor dem Unterschreiben achten solltest, steht im Artikel Lohnt sich die betriebliche Altersvorsorge?
Baustein 2: das Altersvorsorgedepot
Am 1. Januar 2027 startet das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot und löst die Riester-Rente ab. Auf die ersten 30 Euro im Monat gibt es 50 Prozent Zulage, auf weitere Beiträge bis 150 Euro im Monat 25 Prozent. Es steht auch Selbstständigen offen. Alle Details im Artikel Altersvorsorgedepot 2027.
Baustein 3: freie ETFs
Das letzte Drittel fließt in einen normalen ETF-Sparplan, ohne Zuschuss und ohne Zulage. Dafür bleibt das Geld flexibel, etwa für einen späteren Hauskauf. Wichtig sind breite Streuung, niedrige Kosten und ein Sparplan, der automatisch läuft. Ob du einen bestehenden Sparplan weiterführen oder umschichten solltest, klärt AVD oder ETF-Sparplan weiterführen?
Was aus 12 Prozent werden kann
Mit Arbeitgeberzuschuss, staatlicher Zulage und einer Modellannahme von 5 Prozent Rendite pro Jahr werden aus 235 Euro im Monat nach 30 Jahren rund 223.000 Euro. Mehr als die Hälfte davon stammt aus Förderung und Zinseszins. Die Rechnung für drei Einkommen und warum ein früher Start fast das Doppelte bringt, steht in Wie viel sollte ich für die Rente sparen?
So sieht es die Livito-Methode
Gelassenheit bei der Altersvorsorge entsteht nicht durch die perfekte Anlageentscheidung, sondern durch ein System, das dich nicht ständig zu neuen Entscheidungen zwingt: 12 Prozent vom Netto, aufgeteilt nach der 4/4/4-Regel, Förderung mitnehmen, breit und günstig investieren, automatisieren und dem Ganzen Zeit geben.
Passender Rechner
Altersvorsorge-Rechner
So rechnest du das für deine eigenen Zahlen durch.
Zum RechnerAlle Artikel zu Altersvorsorge
- Altersvorsorgedepot 2027: Förderung, Regeln und für wen es sich lohntDas Altersvorsorgedepot (AVD) startet am 1. Januar 2027 und löst die Riester-Rente ab. Der Staat legt auf die ersten 360 Euro im Jahr 50 Prozent obendrauf, auf weitere Beiträge bis 1.800 Euro 25 Prozent, dazu bis zu 300 Euro pro Kind. Besonders lohnt es sich bei kleinen Beiträgen, für Familien und erstmals auch für Selbstständige.
- Altersvorsorgedepot-Rechner: so viel Förderung bekommst duMit dem Rechner siehst du in wenigen Sekunden, wie viel staatliche Zulage du im Altersvorsorgedepot bekommst. Die höchste Förderquote gibt es bei kleinen Beiträgen: Auf 30 Euro im Monat legt der Staat 50 Prozent drauf. Mit Kindern kann sich dein Beitrag sogar fast verdoppeln.
- Riester und Altersvorsorgedepot: wechseln, behalten oder beides?Dein Riester-Vertrag läuft ab 2027 mit Bestandsschutz einfach weiter. Du kannst ihn aber auch ins neue Fördersystem wechseln oder das Guthaben in ein Altersvorsorgedepot übertragen, ohne die bisherige Förderung zurückzahlen zu müssen. Kündigen ist fast immer die schlechteste Wahl, weil dann Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden müssen.
- Altersvorsorgedepot-Anbieter: worauf du achten solltestDen besten Anbieter für alle gibt es nicht, aber klare Kriterien. Am wichtigsten sind die Kosten: Im Idealfall zahlst du für Depot und Fonds nichts oder nicht mehr als 0,3 Prozent im Jahr. Dazu kommen die passende Variante, breite und günstige ETFs, ein automatischer Zulagenantrag und ein Wechsel ohne hohe Gebühren.
- AVD oder ETF-Sparplan weiterführen?Beides, mit unterschiedlichen Aufgaben. Dein bestehender ETF-Sparplan läuft weiter und bleibt dein flexibles Geld. Das Altersvorsorgedepot kommt ab 2027 neu dazu, weil du dort bis 150 Euro im Monat staatliche Zulagen bekommst. Verkaufen musst du nichts, denn ein bestehendes Depot lässt sich ohnehin nicht umwandeln.
- Betriebliche Altersvorsorge: lohnt sich das?Meistens ja, wenn dein Arbeitgeber mindestens die gesetzlichen 15 Prozent dazugibt und der Vertrag günstig und fondsgebunden ist. Aus 78 Euro im Monat werden im Modell nach 30 Jahren rund 73.100 Euro, davon gut 4.200 Euro vom Arbeitgeber. Der Preis: Das Geld ist bis zur Rente gebunden und wird im Alter versteuert.
- Wie viel sollte ich für die Rente sparen?Die Livito-Methode empfiehlt mindestens 12 Prozent deines Nettoeinkommens. Bei 1.958 Euro netto sind das 235 Euro im Monat, aus denen mit Förderung und Zinseszins im Modell nach 30 Jahren rund 223.000 Euro werden können. Wer zehn Jahre früher anfängt, kommt bei gleicher Sparrate fast auf das Doppelte.
Der nächste Schritt
Altersvorsorge ist der größte Baustein von Stufe 4, aber nicht der einzige. Wer Kinder hat oder plant, kann parallel für ihre Ausbildung vorsorgen. Wie das mit 100 Euro im Monat ab Geburt funktioniert, liest du in der Themenwelt Kinder.
Für Kinder vorsorgen: früh anfangen statt viel zahlenHäufige Fragen
Quellen
- Statistisches Bundesamt (Destatis), EU-SILC 2025: Nettoeinkommen privater Haushalte
- Deutsche Bank und DWS: Altersvorsorge-Report 2025
- Betriebsrentengesetz (BetrAVG), § 1a Abs. 1a: Arbeitgeberzuschuss zur Entgeltumwandlung
- Altersvorsorgereformgesetz: Altersvorsorgedepot ab 1. Januar 2027
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