Betriebliche Altersvorsorge: lohnt sich das?
Stand: 28. September 2026
Kurz gesagt
Meistens ja, wenn dein Arbeitgeber mindestens die gesetzlichen 15 Prozent dazugibt und der Vertrag günstig und fondsgebunden ist. Aus 78 Euro im Monat werden im Modell nach 30 Jahren rund 73.100 Euro, davon gut 4.200 Euro vom Arbeitgeber. Der Preis: Das Geld ist bis zur Rente gebunden und wird im Alter versteuert.
Wo stehst du? Stufe 4: Altersvorsorge
Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) ist für viele Angestellte der einfachste Einstieg in die Altersvorsorge, weil jemand mitzahlt: der Arbeitgeber. Trotzdem hat sie einen zwiespältigen Ruf. Hier liest du, wie sie funktioniert, was sie bringt und wann sie sich weniger lohnt.
So funktioniert die bAV
Bei der häufigsten Form, der Entgeltumwandlung, wird ein Teil deines Bruttogehalts nicht ausgezahlt, sondern in einen Vorsorgevertrag eingezahlt. Weil das Geld vom Brutto abgeht, zahlst du darauf zunächst keine Steuern und bis zu einer Grenze keine Sozialabgaben. Dein Netto sinkt deshalb weniger stark, als der Beitrag hoch ist.
Jede:r Angestellte hat einen Rechtsanspruch darauf. Dein Arbeitgeber muss dir eine Entgeltumwandlung ermöglichen, auch wenn er selbst keine bAV aktiv anbietet.
Der Arbeitgeberzuschuss
Dein Arbeitgeber spart durch die Entgeltumwandlung selbst Sozialabgaben. Deshalb ist er gesetzlich verpflichtet, mindestens 15 Prozent deines Beitrags dazuzugeben, soweit er tatsächlich spart. Viele Arbeitgeber zahlen freiwillig mehr, manche Tarifverträge regeln es anders. Oberhalb der Beitragsbemessungsgrenzen kann der Zuschuss geringer ausfallen. Frag in deinem Fall konkret nach.
Die Grenzen für 2026
| Grenze | Pro Jahr | Pro Monat |
|---|---|---|
| Steuerfrei (8 % der Beitragsbemessungsgrenze) | 8.112 € | 676 € |
| Sozialabgabenfrei (4 % der Beitragsbemessungsgrenze) | 4.056 € | 338 € |
Die Grenzen hängen an der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung und steigen meist jedes Jahr.
Ein Rechenbeispiel
Bei 1.958 Euro netto sieht die Livito-Methode 4 Prozent für die bAV vor, rund 78 Euro im Monat. Mit 15 Prozent Zuschuss fließen 89,70 Euro in den Vertrag. Bei einer Modellannahme von 5 Prozent Rendite pro Jahr ergibt das nach 30 Jahren:
| Herkunft | Betrag |
|---|---|
| Eigene Einzahlung (78 € im Monat) | 28.080 € |
| Arbeitgeberzuschuss (11,70 € im Monat) | 4.212 € |
| Zinseszins | rund 40.800 € |
| Endkapital | rund 73.100 € |
Ohne Zuschuss wären es rund 63.600 Euro. Der kleine Zuschuss macht über 30 Jahre also rund 9.500 Euro aus, weil er von Anfang an mitwächst. Das ist ein Modell, keine Prognose. Wie viel eine bAV tatsächlich bringt, hängt stark von Kosten und Anlage ab.
Die Nachteile, ehrlich betrachtet
- Gebunden bis zur Rente: Das Geld ist frühestens ab 62 verfügbar. Vorzeitig kommst du praktisch nicht heran.
- Etwas weniger gesetzliche Rente: Weil der umgewandelte Teil nicht in die Rentenversicherung fließt, sammelst du dort etwas weniger Ansprüche.
- Steuern und Beiträge im Alter: Die Betriebsrente wird nachgelagert besteuert. Bist du gesetzlich krankenversichert, können Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge dazukommen.
- Kosten: Manche Verträge haben hohe Abschluss- und Verwaltungskosten. Das kann einen großen Teil des Vorteils aufzehren.
- Garantien: Klassische Verträge mit Beitragsgarantie legen vorsichtig an. Über Jahrzehnte kostet das Rendite.
Wann sich die bAV lohnt
Die bAV lohnt sich vor allem, wenn drei Dinge zusammenkommen: ein Arbeitgeberzuschuss von mindestens 15 Prozent, ein günstiger Vertrag und eine fondsgebundene Anlage mit hoher Aktienquote bei vielen Jahren bis zur Rente. Zahlt dein Arbeitgeber deutlich mehr als 15 Prozent, ist die bAV oft der stärkste Baustein überhaupt.
Weniger attraktiv ist sie, wenn der Vertrag teuer ist, wenig Rendite verspricht und dein Arbeitgeber nur das Minimum gibt. Dann darfst du einen Teil der 4 Prozent in die anderen beiden Bausteine verschieben.
Vor dem Unterschreiben lohnt sich ein Gespräch. Frag nach den Kosten, der Anlage, einer Garantie und was bei einem Jobwechsel passiert.
So sieht es die Livito-Methode
Die bAV ist der erste der drei Bausteine der Altersvorsorge, weil hier nicht nur dein eigenes Geld arbeitet. Die Livito-Methode sieht 4 Prozent deines Nettoeinkommens vor, fondsgebunden, wenn möglich. Wer keine bAV abschließen kann, etwa als Selbstständige:r, teilt die 12 Prozent auf je 6 Prozent Altersvorsorgedepot und freie ETFs auf.
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Der zweite geförderte Baustein ist das Altersvorsorgedepot, das 2027 startet. Hier zahlt nicht der Arbeitgeber mit, sondern der Staat.
Altersvorsorgedepot 2027: Förderung, Regeln und für wen es sich lohntHäufige Fragen
Quellen
- Betriebsrentengesetz (BetrAVG), § 1a: Anspruch auf Entgeltumwandlung und Arbeitgeberzuschuss
- Einkommensteuergesetz, § 3 Nr. 63: Steuerfreiheit von Beiträgen
- Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung 2026: 101.400 Euro im Jahr
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